Entbürokratisierung der Kältetechnik
Dietmar Grois ist seit April 2026 im dritten Jahr seiner ersten Präsidentschaft beim ÖKKV (Österreichischer Kälte- und Klimatechnischer Verein). Sein Ziel ist es, den Verein zu modern-isieren und mit seinen Vorstandskollegen aktuelle Branchenthemen aktiv voranzutreiben. Die Veränderungen sind bereits sichtbar: Die Gründung des Fachbeirates Klima, der Umzug der Geschäftsstelle nach Linz, eine moderne Mitgliederkommunikation über die neue Website www.oekkv.at und Info-Mails.
Was sagt Dietmar Grois selbst über …
… die gemeinsame Geschäftsstelle mit dem Verband Wärmepumpe Austria
Der Verband Wärmepumpe Austria verfügt über ein erfahrenes Team, das genau weiß, wie Verbandsarbeit erfolg-reich funktioniert. Erste Gespräche über eine Zusammenarbeit gab es bereits frühzeitig. Seit November 2025 befindet sich unsere Geschäftsstelle nun in Linz. Die Zusammenarbeit ist auch inhaltlich sinnvoll: Mit der F-Gase-Verordnung gibt es beispielsweise ein wichtiges gemeinsames Thema. Zudem wachsen die Mitglie-derkreise immer stärker zusammen – viele Ins-tallationsbetriebe beschäftigen heute bereits eigene Kältetechniker*innen, die neben Wär-mepumpen auch Klimaanlagen installieren.
… den neuen „Fachbeirat Klima“ im ÖKKV
In Österreich gibt es keine eigene Interessenvertretung für Hersteller von Klimageräten. Auch das Thema Luft-Luft-Wärmepumpe wird oft nur am Rande behandelt – dabei hat es große Bedeutung. Derzeit werden jährlich rund 40.000 Klimageräte verkauft, etwa zehn Prozent davon werden auch zum Heizen genutzt. Diese Themen werden künftig im neuen Fachbeirat Klima gebündelt behandelt.
… die Zukunft der Kälteanlagenverordnung KAV
Als die KAV 1969 in Kraft gesetzt wurde, gab es keine natürlichen oder brennbaren Kältemittel und schon gar keine Europäische Union. Die KAV ist mittlerweile unbrauchbar für moderne Anlagen, andere Regeln wie die Europäischen Richtlinien, die Verfahrensnorm EN 378 oder die F-Gase-Verordnung sind da relevant. Zum Glück ist es uns gelungen, dass die Abschaffung der KAV als Punkt 105 von 113 ins Entbürokratisierungspaket der Bundesregierung aufgenommen wurde. An der Umsetzung arbeiten derzeit Wirtschafts- und Sozialministerium.
… die Gefährlichkeit von brennbaren oder toxischen Kältemitteln
Brennbare Kältemittel der Klasse A3, wie zB Propan, werden seit Jahrzehnten eingesetzt. Die Zahl dokumentierter Unfälle in Europa ist äußerst gering und meist auf unsachgemäße Wartung zurückzuführen. Entscheidend ist ein sorgfältiger Umgang bei Montage und Service. Für Endverbraucher besteht in der Praxis kaum Gefahr: Die Leckageraten moderner Anlagen liegen laut Studien bei etwas mehr als einem Prozent, zudem sorgt die Verdünnung mit der Umgebungsluft dafür, dass keine kritischen Konzentrationen entstehen.
… das Verhältnis von Heizungs- und Kältetechnik
Wichtig ist es, dass für alle kältetechnischen Ausbildungen eine Prüfung und ein Zertifikat auf gleichem Level sichergestellt wird. Die Kältetechniker*innen achten hier zu Recht auf hohe Qualitätsstandards. Niemand möchte, dass nach einem „Schnellsiedekurs“ die gleichen Berechtigungen zum Eingriff in eine Anlage erteilt werden, wie jene der Kältetechniker*innen nach dreieinhalb Jahren Fachausbildung. In diesem Bereich gibt es mittlerweile hochwertige Ausbildungsangebote wie z.B. beim ÖGKT oder dem AIT, die ein entsprechend hohes Niveau garantieren.
… die Zusammenarbeit mit der ÖGKT
Beide Organisationen haben ihren klar definierten Bereich: Die Österreichische Gesellschaft für Kältetechnik (ÖGKT) konzentriert sich stark auf Schulung und Ausbildung, während der Fokus des ÖKKV stärker auf rechtlichen und technischen Themen liegt. Wir stimmen uns gut ab und ziehen an einem Strang, wenn es um gemeinsame Anliegen geht.
… den Wachstumsmarkt Klima- und Kältetechnik
„Die langsam steigenden Durchschnittstemperaturen sorgen für einen kontinuierlich wachsenden und planbaren Markt ohne extreme Ausschläge. Der Absatz von Klimaanlagen steigt jährlich um fünf bis zehn Prozent. Der Fachkräftemangel betrifft die gesamte Branche. Umso positiver ist es, dass Installationsbetriebe zunehmend eigene Kältetechniker*innen beschäftigen und damit auch Klimaanlagen selbst installieren können. Für größere gewerbliche Anlagen oder Kaltwassersätze braucht es natürlich weiterhin den kältetechnischen Fachbetrieb. Unsere Fachkonferenzen sind in den vergangenen Jahren deutlich vielfältiger geworden – mit Teilnehmenden unterschiedlichster Disziplinen, die wir alle brauchen, um die stetig steigende Nachfrage abzudecken.
Dietmar Grois...
...absolvierte die HTL für Maschinenbau in Vöcklabruck und ist seit Jahrzehnten in der Klima- und Kältetechnik tätig. Seit 2010 arbeitet er bei Daikin in unterschiedlichen Funktionen, zuletzt als „Manager Environmental Readiness and Sustainability“ sowie als Ansprechpartner für Politik, Verbände und Umweltfragen.
Seit 2024 ist er Präsident des ÖKKV, außerdem engagiert er sich im Verband Wärmepumpe Austria als Rechnungsprüfer.